US-ETF ein KI-Aktienfonds? Finessen der Portfolio-Analyse
Wer heute einen breit gestreuten US- oder Welt-ETF kauft, glaubt zunächst, vor allem eines zu tun: zu diversifizieren. Genau hier lohnt inzwischen ein zweiter Blick. Denn die großen Aktienindizes sind zwar formal breit gestreut, wirtschaftlich aber zunehmend von wenigen sehr großen Technologie- und KI-Unternehmen geprägt.
Einen interessanten aktuellen Anstoß dazu liefert der frühere Bundesbankpräsident und UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber in einem Interview mit dem Handelsblatt vom 25. August 2026. Weber weist dort auf die außergewöhnliche Konzentration des amerikanischen Aktienmarktes hin: Die „Magnificent Seven“ – Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Meta und Tesla – machen nach seinen Angaben inzwischen rund 35 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus. Rund 70 Prozent der Kursgewinne des S&P 500 in den Jahren 2024 und 2025 seien auf diese sieben Unternehmen entfallen.
Das ist bemerkenswert. Ein Index mit 500 Unternehmen klingt zunächst nach sehr breiter Diversifikation. Tatsächlich hängt seine Entwicklung inzwischen in erheblichem Maße von einigen wenigen Unternehmen ab – und diese gehören überwiegend zur digitalen Plattform-, Cloud- und KI-Ökonomie.
Konzentration ist zunächst kein Fehler
Man sollte daraus allerdings nicht den voreiligen Schluss ziehen, die großen US-Technologieunternehmen aus einem Portfolio herauszulassen. Im Gegenteil: Microsoft, Nvidia, Alphabet, Amazon oder Meta gehören zu den zentralen Akteuren der gegenwärtigen technologischen Transformation. Sie verfügen über enorme Cashflows, globale Plattformen, Rechenzentren, Datenbestände und teilweise über die entscheidende Infrastruktur für die Entwicklung künstlicher Intelligenz.
Wer diese Unternehmen vollständig aus seinem Portfolio entfernt, verzichtet damit möglicherweise auf einen erheblichen Teil der zukünftigen digitalen Wertschöpfung.
Das eigentliche Problem ist deshalb nicht US-Tech an sich, sondern dessen Gewichtung.
Viele bedeutende Aktienindizes gewichten Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung. Steigt der Börsenwert eines Unternehmens relativ zum Gesamtmarkt, nimmt damit auch sein Anteil am Index zu. Anleger, die einen entsprechenden ETF halten, übernehmen diese veränderte Gewichtung automatisch in ihr Portfolio.
Wichtig ist dabei eine Präzisierung: Ein ETF muss nicht deshalb zusätzliche Aktien eines Unternehmens kaufen, nur weil dessen Kurs gestiegen ist. Durch den Kursanstieg steigt der Wert der bereits gehaltenen Position und damit automatisch deren Gewicht. Die zunehmende Konzentration entsteht also zunächst aus der Logik der Marktkapitalisierungsgewichtung selbst.
Damit steckt im vermeintlich passiven Investment durchaus eine implizite Entscheidung: Je erfolgreicher und größer bestimmte Unternehmen werden, desto stärker bestimmen sie das Portfolio.
Dass dieses Thema inzwischen weit über den S&P 500 hinausreicht, zeigen auch aktuelle Daten von MSCI. Im MSCI USA stieg der Anteil der zehn größten Unternehmen zwischen April 2025 und Juli 2026 von 32,3 auf 36,7 Prozent. Selbst im weltweiten MSCI ACWI erhöhte sich das Gewicht der zehn größten Unternehmen im gleichen Zeitraum von 20,5 auf 24,2 Prozent. MSCI spricht ausdrücklich von der Herausforderung zunehmend konzentrierter Benchmarks.
Der MSCI ACWI enthält dabei immerhin rund 2.460 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern und deckt etwa 85 Prozent des weltweit investierbaren Aktienmarktes ab.
Axel Weber setzt auf Europa
Weber zieht aus dieser Entwicklung eine weitreichende persönliche Konsequenz. Er hat nach eigener Aussage seine US-Aktien verkauft und setzt wesentlich stärker auf Europa. Unter den bewusst zugespitzten Bezeichnungen „Make European Finance great again“ und „Make European Industry great again“ investiert er insbesondere in europäische Finanz-, Industrie-, Infrastruktur- und Technologiewerte.
Seine Überlegung ist nachvollziehbar. Europa verfügt zwar kaum über Unternehmen von der Dimension der großen amerikanischen Plattformkonzerne, besitzt aber erhebliche Kompetenzen in Industrie, Maschinenbau, Automatisierung, Energie, Finanzwirtschaft und industrieller Technologie. Gerade wenn KI zunehmend aus den Rechenzentren in reale Produktionsprozesse wandert, könnten diese Bereiche erheblich an Bedeutung gewinnen.
Trotzdem muss man Webers Konsequenz nicht vollständig teilen.
Nicht USA oder Europa – sondern eine Frage der Gewichtung
Vielleicht liegt die sinnvollere Strategie gerade zwischen den beiden Extremen. Die großen US-Technologie- und KI-Unternehmen gehören weiterhin in ein modernes Portfolio. Aber man muss nicht zwangsläufig genau jene Gewichtung akzeptieren, die sich aus ihrer mittlerweile enormen Börsenkapitalisierung ergibt.
Gleichzeitig spricht einiges dafür, europäische Industrie-, Finanz-, Infrastruktur- und Technologieunternehmen stärker zu berücksichtigen.
Damit verändert sich eine klassische Frage der Geldanlage. Es geht nicht mehr nur darum:
USA oder Europa?
Die interessantere Frage lautet:
Wie viel Konzentration verträgt Diversifikation im KI-Zeitalter?
Denn möglicherweise besteht der eigentliche Fehler nicht darin, Nvidia, Microsoft, Alphabet oder Amazon im Portfolio zu haben. Der Fehler könnte vielmehr darin liegen, sie allein deshalb immer stärker zu besitzen, weil sie immer größer geworden sind.
Gerade im Zeitalter der künstlichen Intelligenz sollten Anleger deshalb gelegentlich hinter das Etikett „Welt-ETF“ schauen. Ein globaler Index bleibt zwar breit diversifiziert. Aber seine wirtschaftliche Entwicklung wird zunehmend von einer relativ kleinen Gruppe amerikanischer Technologieunternehmen geprägt.
Und genau daraus könnte eine der interessantesten Portfoliofragen der kommenden Jahre entstehen.
Unten folgt ein Beispielprompt für KI-Unterstützung – bitte beachten Sie die Datenschutzaspekte:
Für eine solche KI-gestützte Portfolioanalyse sollte man nicht einfach einen vollständigen Depotauszug mit persönlichen Daten hochladen. Für die Analyse reichen in der Regel ETF-Bezeichnungen oder ISINs und die ungefähren prozentualen Portfolioanteile. Namen, Depotnummern, Kontodaten und selbst die absolute Höhe des Vermögens sind dafür normalerweise nicht erforderlich.
Wer Finanzdaten grundsätzlich nicht in einer Cloud-KI verarbeiten lassen möchte, kann den Ansatz auch lokal umsetzen. Lösungen wie LM Studio oder Ollama ermöglichen den Betrieb von Sprachmodellen auf dem eigenen Rechner. Denkbar ist auch eine hybride Variante: Persönliche Depotdaten bleiben lokal, während lediglich aktuelle öffentliche ETF- und Indexdaten aus dem Internet abgerufen werden. Gerade bei Finanzdaten gilt damit ein einfacher Grundsatz: So wenig persönliche Daten wie möglich in die Cloud – und nur so viele Daten wie für die Analyse tatsächlich notwendig.
Folglich ist nichts hiervon Anlageberatung und der folgende Aspekt ist sehr wichtig:
Der Prompt folgt dem Prinzip der Datensparsamkeit: Für die Analyse werden grundsätzlich keine personenbezogenen Depotdaten benötigt. ETF-Bezeichnung bzw. ISIN und prozentuale Gewichtung reichen aus. Damit lässt sich die Übertragung sensibler Finanzdaten weitgehend vermeiden.
Ein technisches Dokument dazu ist gerade in Arbeit – estellt mit Hilfe von Claude und ChatGPT.
Quellen
- Handelsblatt, 25.08.2026: Axel Weber: „Ich setzte auf das Motto MEGA: ‚Make Europe great again‘“. Interview zu Kapitalmarktkonzentration, KI, Europa und Webers eigener Portfoliostrategie.
Zum Handelsblatt-Interview - MSCI, 19.08.2026: Helping Active Managers Catch Their Breadth. Analyse der zunehmenden Konzentration großer Aktienindizes; Top-10-Anteil im MSCI USA 36,7 %, im MSCI ACWI 24,2 % per Juli 2026.
MSCI-Analyse zur Indexkonzentration - MSCI ACWI, Datenstand 31.07.2026: Rund 2.460 Unternehmen, Abdeckung von etwa 85 % des weltweit investierbaren Aktienmarktes.
MSCI ACWI Index
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