Das Portfolio von Berkshire Hathaway ist seit Jahrzehnten ein Orientierungspunkt für Anleger. Interessant ist deshalb weniger, welche einzelne Aktie gekauft wird, sondern was sich aus der Struktur und den Veränderungen des Portfolios lernen lässt.

Im zweiten Quartal 2026 kaufte Berkshire Aktien für 23,5 Milliarden Dollar und verkaufte lediglich für 3,7 Milliarden Dollar. Damit war Berkshire nach 14 Quartalen als Nettoverkäufer erstmals wieder deutlich auf der Käuferseite. Gleichzeitig sank der gewaltige Liquiditätsbestand von 380,2 auf 364,7 Milliarden Dollar. Berkshire setzt also wieder mehr Kapital ein.

Besonders auffällig ist Alphabet. Die Beteiligung wurde um 83 Prozent auf knapp 106 Millionen Aktien aufgestockt. Mit einem Wert von rund 37,8 Milliarden Dollar ist die Google-Mutter inzwischen Berkshires drittgrößte börsennotierte Beteiligung – hinter Apple und American Express.

Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, wie sich Value Investing in der digitalen Ökonomie verändert. Alphabet ist zwar ein Technologiekonzern, erfüllt aber viele klassische Berkshire-Kriterien: hohe Cashflows, eine starke Marktstellung und schwer angreifbare Wettbewerbsvorteile. Value bedeutet eben nicht, möglichst billige Aktien zu kaufen. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Qualität, langfristiger Ertragskraft und Preis.

Auch die übrigen Veränderungen sind interessant. Berkshire erhöhte unter anderem seine Beteiligungen an Delta Air Lines und dem Hausbauer Lennar, während Positionen etwa bei Bank of America, Capital One, Kroger und Nucor reduziert wurden. Das sieht weniger nach einer großen neuen Branchenwette aus als nach aktiver Kapitalallokation: Kapital wird dorthin verschoben, wo das Verhältnis von erwarteter Rendite und Risiko attraktiver erscheint.

Eine weitere Berkshire-Lektion betrifft die Geduld. Buffett wurde jahrelang dafür kritisiert, immer größere Liquiditätsbestände anzuhäufen. Doch Cash war für Berkshire nie nur schlecht verzinstes Kapital. Liquidität schafft Handlungsfähigkeit. Wer nicht investieren muss, kann auf attraktive Bewertungen warten – und dann große Summen einsetzen.

Genau das scheint jetzt zu geschehen. Gleichzeitig kaufte Berkshire im zweiten Quartal eigene Aktien für 4,5 Milliarden Dollar zurück und setzte die Rückkäufe im Juli fort.

Die genannten Veränderungen sollte man deshalb nicht vorschnell als Bruch mit Buffett interpretieren. Zumal Buffett weiterhin Chairman ist und nach eigener Aussage mit Abel über die Kapitalallokation berät.

Für Privatanleger liegt darin die eigentliche Erkenntnis. Man sollte Berkshire nicht kopieren, sondern seine Logik verstehen. Qualität vor Mode, langfristige Ertragskraft vor kurzfristigen Kursbewegungen, Liquidität als strategische Reserve – und investieren, wenn Qualität und Preis zusammenpassen.

Das Portfolio verändert sich. Die Prinzipien dahinter erstaunlich wenig.

Quellen