Wir haben hier schon öfter über die möglichen Folgen der Künstlichen Intelligenz für Arbeitsplätze, Produktivität und Vermögensverteilung geschrieben. Dabei kristallisiert sich immer deutlicher eine Frage heraus, die vielleicht wichtiger ist als die übliche Debatte darüber, welche Berufe KI ersetzen könnte: Wem gehören eigentlich die Maschinen, die künftig einen wachsenden Teil der Arbeit übernehmen?

Matt Levine bringt diesen Gedanken in seinem Bloomberg-Newsletter „Money Stuff“ mit dem Bild der KI-Rentiers auf den Punkt. Seine bewusst zugespitzte Vorstellung: KI erledigt immer mehr wirtschaftlich produktive Arbeit. Dafür benötigt sie Chips, Rechenzentren und enorme Mengen Energie. Menschen beziehungsweise Unternehmen und Investoren besitzen diese Infrastruktur – und erzielen daraus Einkommen.

So futuristisch ist das inzwischen gar nicht mehr. Nvidia arbeitet mit Apollo, Blackstone, BlackRock, Brookfield, Goldman Sachs und KKR zusammen, um Finanzierungsmöglichkeiten von insgesamt bis zu 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur zu mobilisieren. Rechenleistung entwickelt sich damit zunehmend zu einer eigenen Anlageklasse.

Ökonomisch ist die Entwicklung eigentlich logisch. Wenn menschliche Arbeit teilweise durch Kapital ersetzt wird, verschiebt sich auch die Einkommensverteilung. Wer die KI-Infrastruktur besitzt, erhält Dividenden, Zinsen oder andere Kapitalerträge. Wer dagegen überwiegend von seiner Arbeitskraft lebt, partizipiert an den Produktivitätsgewinnen zunächst nur indirekt – möglicherweise sogar bei gleichzeitigem Druck auf sein Arbeitseinkommen.

Damit bekommt die ohnehin bestehende Vermögensungleichheit eine neue Dimension. Die entscheidende Frage lautet dann nicht nur, wie viel zusätzlichen Wohlstand KI erzeugt, sondern wem dieser Wohlstand gehört.

Interessant ist deshalb Levines Gedanke, die Altersvorsorge breiter Bevölkerungsschichten stärker an dieser neuen Kapitalbasis zu beteiligen. Wenn ein wachsender Teil der Wertschöpfung auf Chips und in Rechenzentren entsteht, wäre es nur konsequent, wenn möglichst viele Menschen über Aktien, Fonds und Altersvorsorgevermögen daran beteiligt wären.

Natürlich darf daraus nicht die nächste Anlageblase werden. Rechenzentren können überbewertet sein, Chips technologisch schnell veralten und erwartete KI-Erträge enttäuschen. Es geht deshalb nicht darum, Altersvorsorgegelder einseitig in KI-Infrastruktur zu stecken.

Aber der Grundgedanke bleibt: Je stärker KI Arbeit durch Kapital ersetzt, desto wichtiger wird eine breite Beteiligung am Kapital.

Damit landen wir bei einer erstaunlich alten ökonomischen Frage in einer technologisch völlig neuen Welt: Wem gehören die Produktionsmittel? Genau daran könnte sich entscheiden, ob KI Wohlstand breiter verteilt – oder die bestehende Vermögenskonzentration noch erheblich verstärkt.