Sachsen-Anhalt: Wenn Protest zu wirtschaftlichem Niedergang führt
In Sachsen-Anhalt könnte die AfD bei der Landtagswahl stärkste Kraft werden. Sachsen-Anhalt gehört wirtschaftlich und demografisch zu den verletzlichsten Bundesländern – und könnte ausgerechnet eine Politik wählen, die diese Probleme noch verschärft.
Das Land schrumpft. Bis 2040 könnte das Arbeitskräftepotenzial um rund 272.000 Menschen zurückgehen. Gleichzeitig zeigt sich schon heute, wie wichtig Zuwanderung geworden ist: Zwischen Juni 2024 und Juni 2025 sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Deutschen um rund 10.500, während die Zahl ausländischer Beschäftigter um etwa 5.600 zunahm.
Ausgerechnet die Abwehr von Migration könnte damit zum wirtschaftlichen Eigentor werden. IWH-Präsident Reint Gropp warnt vor erheblichen Wachstumsverlusten, wenn ausländische Fachkräfte abgeschreckt werden. Das DIW kommt in einer Modellrechnung zu dem Ergebnis, dass die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der AfD Sachsen-Anhalt rund 10.000 Arbeitsplätze und durchschnittlich etwa 1.600 Euro Einkommen je Einwohner und Jahr kosten könnten. Modellrechnungen sind keine Prognosen – aber sie zeigen die Größenordnung des Risikos.
Hinzu kommt die Finanzpolitik. Das IWH errechnet für das AfD-Wahlprogramm eine Finanzierungslücke von mindestens 2,2 Milliarden Euro jährlich. Mehr Leistungen, Steuersenkungen und gleichzeitig keine zusätzlichen Schulden – ökonomisch geht diese Rechnung kaum auf.
Und der Westen?
Seit der Wiedervereinigung sind enorme Transfers nach Ostdeutschland geflossen. Das war richtig und Teil einer gesamtdeutschen Verantwortung. Aber Solidarität besitzt auch eine psychologische Seite.
Wenn ein Bundesland trotz massiver demografischer Probleme eine Politik unterstützt, die Zuwanderung erschwert, internationale Fachkräfte abschrecken und Investoren verunsichern könnte, stellt sich irgendwann die Frage: Wie lange sollen andere die wirtschaftlichen Folgen solcher politischen Entscheidungen kompensieren?
Das eigentliche Problem liegt ohnehin in Sachsen-Anhalt selbst. Weniger Arbeitskräfte, weniger Investitionen und geringeres Wachstum erzeugen mehr Unzufriedenheit – und diese wiederum noch mehr politischen Protest.
So könnte aus einer Protestwahl eine wirtschaftliche Abwärtsspirale werden. Und deren Rechnung bezahlen am Ende vor allem diejenigen, die mit ihrer Stimme eigentlich gegen den Niedergang protestieren wollten.
Quellen: IWH Halle · DIW Berlin · Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt · Bundesagentur für Arbeit
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