Deutschland wächst wieder
Nach Jahren der Stagnation gibt es für die deutsche Wirtschaft endlich wieder positivere Nachrichten. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für 2026 deutlich angehoben. Das ifo Institut erwartet inzwischen ein reales Wachstum von 1,4 Prozent – noch im Juni waren es lediglich 0,8 Prozent. Auch für die Industrie sieht das Institut erstmals wieder deutlichere Lichtblicke.
Natürlich sind 1,4 Prozent noch kein Wirtschaftswunder. Aber vielleicht sollten wir uns abgewöhnen, jede gute Nachricht sofort mit einer langen Liste deutscher Strukturprobleme zu relativieren.
Denn Wirtschaft besteht nicht nur aus Produktionskapazitäten, Zinsen und Staatsausgaben. Wirtschaft ist auch Psychologie.
Unternehmen investieren, wenn sie erwarten, dass sich Investitionen lohnen. Verbraucher kaufen größere Anschaffungen, wenn sie Vertrauen in ihre wirtschaftliche Zukunft haben. Banken vergeben eher Kredite, wenn die Perspektiven ihrer Kunden besser erscheinen. Und aus besseren Erwartungen können wiederum tatsächlich höhere Investitionen, mehr Beschäftigung und mehr Nachfrage entstehen.
Genau deshalb ist die aktuelle Verbesserung der Prognosen nicht belanglos. Sie kann dazu beitragen, eine jahrelange Negativspirale zumindest teilweise umzudrehen.
Die Gründe für den besseren Ausblick sind durchaus real. Impulse kommen aus dem Ausland, die staatlichen Ausgaben für Infrastruktur, Verteidigung und Klimaschutz steigen und selbst die zuletzt stark belastete Industrie zeigt Anzeichen einer Stabilisierung. Das ifo Institut spricht inzwischen ausdrücklich davon, dass sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzt.
Auch längerfristig ist die Lage nicht zwangsläufig so düster, wie häufig dargestellt wird. KfW Research hält ein Potenzialwachstum von mindestens einem Prozent jährlich für erreichbar, wenn es gelingt, Investitionen, Innovation und insbesondere die Produktivität stärker zu erhöhen. Daraus könnte wiederum eine sich selbst verstärkende Investitions- und Innovationsdynamik entstehen.
Deutschland hat zweifellos strukturelle Probleme: Bürokratie, hohe Energiepreise, Demografie und eine über Jahre schwache Investitionstätigkeit verschwinden nicht über Nacht.
Aber ebenso falsch wäre es, aus diesen Problemen eine dauerhafte wirtschaftliche Abstiegsgeschichte zu machen.
Vielleicht braucht Deutschland deshalb neben Reformen noch etwas anderes: wieder mehr Zutrauen in die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.
Denn Erwartungen können eine Volkswirtschaft bremsen – sie können sie aber auch antreiben.
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