Der größte Börsengang der Welt steht kurz bevor. Elon Musk bringt sein Raumfahrtunternehmen SpaceX an die Börse – und Anleger müssen sich fragen: Ist das eine Chance oder ein Wagnis mit utopischer Bewertung?

Ein Ereignis der Superlative

Am kommenden Freitag bringt Elon Musk sein Raumfahrtunternehmen SpaceX an den Aktienmarkt. Es wird der größte Börsengang der Welt sein: Rund 75 Milliarden Dollar will SpaceX von Anleger aus aller Welt einsammeln – so viel wie nie zuvor ein Unternehmen am Tag seines Börsengangs. Der bisher größte IPO aller Zeiten war Saudi Aramco im Dezember 2019 mit nur 25,6 Milliarden Dollar – SpaceX will das Dreifache davon erreichen.[trendingtopics]

Mit einer angestrebten Marktkapitalisierung von über 1,75 Billionen US-Dollar würde SpaceX zum sechstwertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt aufsteigen, nur hinter Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon. Beim Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie würde das verlustreiche Unternehmen aus dem Stand eine Gesamtbewertung von nahezu 1,8 Billionen Dollar anstreben.[handelsblatt]

Besonders ungewöhnlich ist der hohe Anteil für Privatanleger: Mehr als 20 Prozent der Aktien sollen Einzelinvestoren zugutekommen, doppelt so viel wie bei typischen Börsengängen üblich.[trendingtopics]


Banken trommeln für Musk – und verdienen mit

Beim größten Börsengang der Welt darf der mächtigste Banker der Welt nicht abseitsstehen. Jamie Dimon, Chef der Großbank JP Morgan, legt sich höchstpersönlich ins Zeug und wirbt in verschiedenen Livediskussionen für den Börsengang [original]. JP Morgan ist eine von insgesamt 23 Investmentbanken, die das Ereignit über die Bühne bringen sollen.

Gelingt der Börsengang, kann sich JP Morgan über Gebühren in Höhe von schätzungsweise bis zu 100 Millionen Dollar freuen [original]. SpaceX braucht nicht nur das Geld der Großinvestoren, sondern auch Privatanleger, unter denen Musk schon immer viele Fans hatte – dem Vernehmen nach war es sogar Musks eigene Idee, besonders um deren Geld zu buhlen.


Die Bewertung: Extrem ambitioniert

Die für Privatanleger wichtigste Frage lautet: Sollten sie der Empfehlung von Musk und Dimon nachgeben und die neue SpaceX-Aktie kaufen? Die Antwort hängt viel von den eigenen Überzeugungen ab, aber auch ein bisschen von der Mathematik.

SpaceX ist noch nicht profitabel und hat im Jahr 2025 einen Verlust von fast fünf Milliarden Dollar ausgewiesen. Damit ist das klassische Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nutzlos, da das Unternehmen bislang keinen Gewinn erzielt.

Profianleger weichen auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis aus: SpaceX erzielte knapp 19 Milliarden Umsatz im vergangenen Jahr. In Relation zum Börsenwert von 1,77 Billionen Dollar ergibt sich ein Wert von 93. Zum Vergleich:

  • Amazon beim IPO: 28
  • Tesla beim IPO 2010: 15
  • SpaceX: 93

„Die Bewertung ist sehr ambitioniert“, sagt Fondsmanager Bernd Deeken von Berenberg. „Da muss das Unternehmen erst einmal hineinwachsen“.


Geschäftsmodell: Mehr als nur Raketen

SpaceX ist längst nicht mehr nur ein Weltraumunternehmen, das Raketen ins All schießt. Zwei zentrale Bereiche definieren das Unternehmen:

  1. Starlink – Der Satelliteninternetdienst ist derzeit der erfolgreichste Geschäftsbereich, verdient Geld und versorgt über 9 Millionen Abonnenten weltweit. Der Dienst unterstützt sogar die Ukraine im Krieg gegen Russland [original].[youtube][trendingtopics]
  2. Raumfahrtgeschäft – Falcon 9 allein startete 2025 alle ~2 Tage einmal, mit über 60% globaler Marktanteil bei Starts.[youtube]

Die große Überraschung kam im Februar 2026: Elon Musk schloss seine KI-Firma xAI (mit dem KI-Roboter „Grok“) plötzlich mit SpaceX zusammen. Dazu gehört auch die Plattform X (das frühere Twitter) – und damit zu SpaceX].


Die KI-Vision: Utopisch oder realistisch?

Musk hat eine ganz besondere Synergie im Sinn: Auf längere Sicht will er Rechenzentren im All betreiben, um von dort aus günstiger den enormen Energiehunger der Künstlichen Intelligenz zu stillen.

Unter „Total addressable Market“ führt Musk die Zahl von 28,5 Billionen Dollar für SpaceX auf. Mehr als 90 Prozent davon sollen nicht auf Weltraumraketen oder Satelliten entfallen, sondern auf die Künstliche Intelligenz.

Um diesen Anspruch zu erfüllen, müsste das KI-Geschäft von SpaceX in einem Maße wachsen, wie es derzeit nicht absehbar ist – schon gar nicht angesichts von deutlich stärkeren Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic.


Machtstruktur: 85% der Stimmrechte bei Musk

Der Gründer und Chef will sich 85 Prozent der Stimmrechte zusichern lassen. Das ist nicht so ungewöhnlich, wie es klingt: Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin verfügten zum Börsengang über einen hohen Stimmrechtsanteil.

Aber dass sich alle Entscheidungsmacht einer Aktiengesellschaft in einer Person bündelt, die sich am Ende nur selbst entlassen könnte, ist ein enormes Risiko und mit modernen Firmenstrukturen nicht vereinbar.


Fazit für Anleger: Vertraut man Musk?

Dies zeigt sehr gut, worauf es aus Anlegersicht bei SpaceX am Ende ankommen wird: Vertraut man Elon Musk oder nicht?

  • Wer skeptisch ist, findet angesichts der hohen Bewertung und der utopischen Vorhaben genügend Gründe, die Aktie nicht zu kaufen.
  • Wer optimistisch ist, fragt: Wer, wenn nicht Musk, kann das vermeintlich Unmögliche schaffen? Dass heute alle Welt über Elektroautos redet, die durch Tesla groß wurden, hätte vor 15 Jahren niemand gedacht.

Kurzfristig wird der Aktienkurs voraussichtlich enorm schwanken und sogar fallen, wenn Frühinvestoren ihre Aktien verkaufen können – das könnte bereits nach wenigen Wochen möglich sein. Auf längere Sicht könnte gelten: Spätestens nach den ersten Schwankungen in jedem Fall dabei sein, um langfristig zu profitieren.


Quellenangaben

  • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.): Detaillierte Analyse des SpaceX-Börsengangs mit Bewertung, Zukunftsaussichten und Machtstruktur [original]
  • TrendingTopics: SpaceX als größter IPO der Geschichte mit 75 Mrd. Dollar[trendingtopics]
  • Handelsblatt: Rekord-Börsengang mit Bewertung von nearly 1,8 Billionen Dollar[handelsblatt]
  • ZDF heute: Vergleich mit Saudi Aramco und historischen IPOs[zdfheute]
  • ERSTE-Blog: Analyse des größten IPO der Geschichte[blog.de.erste-am]
  • Global Finance Mindset: Detaillierte IPO-Analyse mit Kennzahlen[youtube]

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