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Wer in Kryptowährungen investiert, braucht starke Nerven. Kursschwankungen von fünf oder zehn Prozent an einem Tag sind keine Seltenheit. In manchen Wochen geht es zweistellig nach unten – oder nach oben.

Das wirkt chaotisch. Tatsächlich ist es aber ein typisches Merkmal dieses Marktes.


Warum schwankt Krypto so stark?

Zum Vergleich: Große Aktienmärkte wie der MSCI World schwanken im Durchschnitt etwa 15 bis 20 Prozent pro Jahr. Das ist normal – Aktien sind nun einmal riskant.

Bitcoin dagegen kommt häufig auf 60 bis 90 Prozent. Das heißt: Er bewegt sich drei- bis fünfmal stärker als der klassische Aktienmarkt.

Die Gründe:

  • Der Markt ist noch vergleichsweise jung.
  • Viel Kapital ist spekulativ unterwegs.
  • Es wird rund um die Uhr gehandelt – ohne Pause.
  • Gute und schlechte Nachrichten verbreiten sich über soziale Medien extrem schnell.

Wenn dann viele Anleger gleichzeitig kaufen oder verkaufen, verstärkt sich die Bewegung.


Die eigentliche Belastungsprobe: Crashs

Noch eindrucksvoller als die täglichen Schwankungen sind die großen Einbrüche:

  • 2018 verlor Bitcoin rund 80 Prozent.
  • 2022 ging es zeitweise über 75 Prozent nach unten.

Das sind Dimensionen, die selbst erfahrene Anleger nervös machen.

Psychologisch kommt hinzu: Verluste fühlen sich deutlich schlimmer an als Gewinne sich gut anfühlen.[4] In Kombination mit Herdenverhalten führt das oft dazu, dass Menschen in guten Zeiten euphorisch kaufen – und in schlechten Zeiten panisch verkaufen.[5]

Gerade im Kryptomarkt, wo Diskussionen in Echtzeit über Plattformen wie X oder Reddit laufen, wirken diese Effekte besonders stark.


Und trotzdem: Langfristig oft erfolgreich

Trotz aller Einbrüche zeigt die langfristige Entwicklung ein anderes Bild. Wer mehrere Jahre investiert blieb und nicht in Panik verkauft hat, wurde historisch häufig belohnt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Gewinne garantiert sind. Es bedeutet nur: Der Markt verläuft in starken Zyklen – und Geduld war bisher ein wichtiger Erfolgsfaktor.


Alltagstauglich? Noch nicht wirklich

Als Zahlungsmittel ist Krypto bislang nur eingeschränkt geeignet. Die Kurse schwanken zu stark. Niemand möchte heute bezahlen, wenn derselbe Betrag morgen deutlich mehr wert sein könnte – oder deutlich weniger.

Stablecoins versuchen dieses Problem zu lösen, indem sie an den Dollar oder Euro gekoppelt sind. Doch auch hier spielen Regulierung und Vertrauen eine Rolle.

Im Moment dominiert daher klar die Rolle als spekulative Anlage – nicht als Ersatz für das Girokonto.


Fazit

Kryptowährungen sind kein ruhiges Investment. Sie sind volatil, zyklisch und emotional aufgeladen.

Wer investiert, sollte:

  • nur einen begrenzten Anteil seines Vermögens einsetzen,
  • einen langen Atem mitbringen,
  • und starke Kursschwankungen aushalten können.

„Nur etwas für starke Nerven“ ist deshalb keine Übertreibung.
Ob sich Geduld auch in Zukunft auszahlt, hängt weniger vom nächsten Kursanstieg ab – sondern davon, ob sich Krypto technologisch und regulatorisch dauerhaft etabliert.


Fußnoten / Quellen

[1] CoinMetrics: Realized Volatility Data
https://coinmetrics.io

[2] MSCI: Risk Metrics, MSCI World Factsheets
https://www.msci.com

[3] S&P Dow Jones Indices: Historical Risk Data
https://www.spglobal.com/spdji

[4] Daniel Kahneman & Amos Tversky (1979): Prospect Theory.

[5] Shefrin, H., Statman, M. (1985); Jegadeesh, N., Titman, S. (1993).