Deutschland investiert Milliarden in neue Reservekraftwerke, während Haushalte und Unternehmen bereits vergleichsweise hohe Strompreise bezahlen. Der europäische Vergleich zeigt erhebliche Unterschiede – aber auch, wie stark staatliche Eingriffe die Strompreise beeinflussen. Was läuft bei der deutschen Strompreisbildung schief?

Milliarden für Kraftwerke, die möglichst selten laufen sollen

Deutschland baut Windkraft und Photovoltaik aus, steigt aus der Kohleverstromung aus und muss gleichzeitig neue Kraftwerkskapazitäten schaffen, um die Stromversorgung auch bei Dunkelflauten sicherzustellen.

Wie kostspielig dieser Umbau ist, zeigt die erste Ausschreibung für gesicherte Kraftwerkskapazitäten, deren Ergebnisse die Bundesnetzagentur am 3. November 2026 veröffentlichte.

Elf Projekte mit insgesamt 5.160 Megawatt anrechenbarer Leistung erhielten einen Zuschlag. Die Betreiber bekommen durchschnittlich 155.296 Euro je Megawatt und Jahr für die Bereitstellung ihrer Anlagen. Daraus ergeben sich Förderzahlungen von rund 800 Millionen Euro jährlich beziehungsweise rechnerisch etwa zwölf Milliarden Euro über 15 Jahre.

Die Zuschläge gingen nahezu vollständig an die Energiekonzerne Leag und RWE. Besonders bemerkenswert ist, dass Leag bestehende Braunkohlestandorte für die künftige Gasverstromung nutzen will. Das kann Investitionskosten sparen, bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass diese Anlagen über ihre gesamte Betriebsdauer die wirtschaftlich günstigste Lösung darstellen.

Die Kraftwerke sollen möglichst selten laufen, müssen aber jederzeit verfügbar sein. Ihre wirtschaftliche Funktion entspricht damit einer Versicherung gegen Stromknappheit.

Diese Versicherung ist notwendig, aber keineswegs kostenlos. Und sie kommt zu den ohnehin erheblichen Kosten der deutschen Stromversorgung hinzu.

Deutschland gehört zu den teuersten Stromstandorten Europas

Wie hoch die Belastung bereits heute ist, zeigt der europäische Strompreisvergleich.

Nach den Eurostat-Daten für das erste Halbjahr 2026 lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis in Deutschland bei rund 36,2 Cent je Kilowattstunde. Damit gehörte Deutschland zur europäischen Spitzengruppe.

Der EU-Durchschnitt betrug dagegen etwa 28,3 Cent. In Frankreich kostete die Kilowattstunde durchschnittlich 24,9 Cent, in Spanien 25,1 Cent und in den Niederlanden 24,4 Cent.

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