Deutschland-App in einer Dauerschleife?
Wir haben schon oft darüber geschrieben: Deutschlands Problem bei der Digitalisierung ist erstaunlich selten die fehlende Technik. Es sind die Strukturen dahinter.
Nun soll also eine „Deutschland-App“ kommen. Ein zentrales digitales Zugangstor zur Verwaltung, unterstützt von einer KI-Assistentin. Das klingt modern. Und selbstverständlich wäre es angenehm, Verwaltungsleistungen künftig bequem über das Smartphone erledigen zu können.
Aber die entscheidende Frage lautet: Was passiert hinter dieser Oberfläche?

Denn die App ersetzt die bestehenden Systeme von Bund, Ländern und Kommunen nicht. Sie legt sich zunächst darüber. Genau darin liegt die Gefahr, ein bekanntes Muster zu wiederholen: Man digitalisiert die Schnittstelle zum Bürger, ohne die Prozesse dahinter grundlegend neu zu ordnen.
Wir haben das in Deutschland schon oft gesehen. Ein analoges Formular wird zum PDF. Ein kompliziertes Verfahren wird zum Online-Verfahren. Eine Vielzahl unterschiedlicher Verwaltungsprozesse bekommt ein gemeinsames Portal.
Doch immer öfter das Falsche zu tun, führt nicht zum Richtigen.
Digitalisierung bedeutet nicht, bestehende Strukturen lediglich elektronisch abzubilden. Sie müsste vielmehr Anlass sein, Prozesse grundsätzlich zu hinterfragen: Welche Daten liegen dem Staat bereits vor? Warum muss der Bürger sie erneut eingeben? Warum brauchen Kommunen unterschiedliche Verfahren für identische Verwaltungsleistungen? Warum existieren nicht längst gemeinsame Datenmodelle, Standards und Schnittstellen?
Andere Länder sind vielfach pragmatischer vorgegangen. Nicht zuerst das perfekte System bauen, sondern einfache Lösungen schaffen, verbreiten und anschließend verbessern. Deutschland hat dagegen häufig versucht, Sicherheit, Föderalismus, Zuständigkeiten und bestehende Verfahren gleichzeitig unangetastet zu lassen – und darauf eine digitale Lösung zu setzen.
Die Deutschland-App kann sinnvoll sein. Aber sie wird nur dann ein Fortschritt, wenn sie mehr ist als eine neue Oberfläche für alte Strukturen.
Unser alter Grundsatz gilt deshalb weiterhin:
Wenn ein schlechter Prozess digitalisiert wird, entsteht kein guter Prozess.
Vielleicht sollte man ihn inzwischen ergänzen:
Und wenn man ihn immer wieder digitalisiert, wird er dadurch auch nicht besser.
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