Die re:publica 2026 hat erneut gezeigt, warum sie zu den wichtigsten Veranstaltungen rund um die digitale Gesellschaft in Europa zählt. Wer die zahlreichen Vorträge und Diskussionen über die offiziellen YouTube-Aufzeichnungen verfolgt hat (also ich konnte nicht direkt teilnehmen), konnte innerhalb weniger Tage einen bemerkenswert breiten Überblick über die aktuellen Entwicklungen im und rund um das Netz gewinnen. Die Themenpalette reichte von Künstlicher Intelligenz über Journalismus und soziale Medien bis hin zu Demokratie, politischer Kommunikation und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Die Vielfalt der Beiträge war dabei eine der größten Stärken der Veranstaltung.

Bemerkenswert war zunächst die hohe Qualität der Aufbereitung. Viele Referentinnen und Referenten schafften es, komplexe technische, gesellschaftliche und politische Zusammenhänge verständlich darzustellen, ohne sie dabei zu stark zu vereinfachen. Gerade in einer Zeit, in der digitale Technologien immer stärker in Wirtschaft, Medien und Politik eingreifen, ist dies keine Selbstverständlichkeit. Die re:publica erfüllte damit eine wichtige Bildungsfunktion: Sie machte Entwicklungen sichtbar, die den Alltag vieler Menschen bereits prägen, deren Hintergründe aber oft nur Fachleuten bekannt sind.

Ein zentrales Thema war erneut die Künstliche Intelligenz. Dabei standen nicht nur technische Innovationen im Mittelpunkt, sondern vor allem deren gesellschaftliche Folgen. Diskutiert wurden Fragen nach Machtkonzentration bei großen Technologiekonzernen, der Zukunft kreativer Berufe, dem Einfluss automatisierter Systeme auf Meinungsbildung sowie den Herausforderungen für Regulierung und Demokratie. Die Debatten machten deutlich, dass KI längst nicht mehr nur ein Technologiethema ist, sondern zunehmend eine wirtschaftliche, soziale und politische Dimension besitzt.

Ebenso präsent waren klassische Medienthemen. Die Rolle von Plattformen, die Zukunft des Journalismus, Desinformation, Deepfakes und die Veränderung öffentlicher Kommunikation bildeten einen roten Faden durch zahlreiche Veranstaltungen. Viele Beiträge zeigten, wie sich die Informationslandschaft verändert hat. Öffentlichkeit entsteht heute nicht mehr kaum noch über traditionelle Medien, sondern zunehmend über digitale Plattformen, Influencer-Netzwerke und algorithmisch gesteuerte Informationsströme. Daraus ergeben sich neue Chancen für Partizipation, aber auch erhebliche Risiken für Transparenz und demokratische Debatten.

Auch wirtschaftliche Fragen wurden aufgegriffen. Diskutiert wurden die Macht großer Plattformunternehmen, neue digitale Geschäftsmodelle, die Auswirkungen technologischer Umbrüche auf Arbeitsmärkte sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas. Immer wieder tauchte dabei die Frage auf, ob Europa in der Lage sein wird, eigene digitale Strukturen aufzubauen oder dauerhaft von wenigen globalen Technologiekonzernen abhängig bleibt. Die Diskussionen machten deutlich, dass digitale Souveränität längst zu einem wirtschaftspolitischen Kernthema geworden ist.

Ich  möchte einen Vortrag besonders hervorheben, über den ich auf diesem Blog bereits geschrieben haben: wie reagiert die Gesellschaft auf diese Veränderungen und welche möglichen Konsequenzen hat das für die Gesellschaft. Z.B. der Gedanke der „Zerstörungslust“ einer Minderheit – dieser knüpft an die Analysen der Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey an. Sie beschreiben ein gesellschaftliches Klima, in dem politische Einstellungen nicht mehr primär von der Hoffnung auf Verbesserung geprägt sind, sondern zunehmend von Ablehnung, Kränkung und dem Wunsch, bestehende Institutionen zu schwächen. Dabei geht es nicht zwingend um persönliche wirtschaftliche Not, sondern um das Gefühl, Anerkennung, Einfluss oder kulturelle Deutungshoheit zu verlieren. Die Gefahr besteht darin, dass demokratische Errungenschaften nicht deshalb infrage gestellt werden, weil bessere Alternativen vorliegen, sondern weil die Beschädigung des Bestehenden selbst zum politischen Ziel wird. In dieser Logik erscheint Politik als Nullsummenspiel: Was der eine gewinnt, muss der andere verlieren. Gerade diese Sichtweise kann den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in demokratische Verfahren nachhaltig untergraben. Diese Analyse kann das Verhalten von Afd-Anhängern teilweise plausibel machen.

Die Afd – Thematik lag  gewissermaßen wie ein dunkler Schatten über der Veranstaltung. Auch wenn sich die Konferenz nicht mit Parteipolitik beschäftigte, tauchte die Frage nach den Auswirkungen digitaler Kommunikation auf politische Polarisierung immer wieder auf. Mehrere Sessions widmeten sich direkt der Rolle der AfD, ihren Kommunikationsstrategien und den Folgen für die demokratische Öffentlichkeit.

Die große Stärke der re:publica 2026 lag letztlich darin, unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen. Technik, Medien, Wirtschaft , Politik und sogar Gehirnforschung wurden nicht getrennt betrachtet, sondern als eng miteinander verbundene Bestandteile einer digitalen Gesellschaft. Für Zuschauerinnen und Zuschauer der Online-Übertragungen entstand dadurch ein facettenreiches Bild der Gegenwart: informativ, anregend und häufig auch nachdenklich stimmend.

Quellen (QK+):

Erstellt mit Hilfe von KI